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Kostenlose Buchsatz-Programme

    Buchsatz entscheidet darüber, ob ein Buch nach Verlag aussieht oder nach Word-Ausdruck. Das wissen die meisten Selfpublisher – und stehen dann vor der Frage, ob sie dafür Geld ausgeben müssen. Die gute Nachricht: Professionelle Layoutsoftware kostet inzwischen nichts mehr. Auf dieser Seite stelle ich die wichtigsten kostenlosen Programme vor und sage Ihnen, wo sie an Grenzen stoßen.

    Vera Gercke Innenlayout

    Warum der Buchsatz überhaupt wichtig ist

    Ein gutes Layout fällt nicht auf. Es sorgt dafür, dass der Leser die Seite umblättert, ohne über etwas zu stolpern: gleichmäßiger Grauwert, ruhige Zeilenführung, saubere Umbrüche, Kapitelanfänge an der richtigen Stelle. Ein schlechtes Layout dagegen fällt sofort auf, auch wenn die Leserin nicht benennen kann, woran es liegt. Sie spürt nur, dass etwas nicht stimmt – und schreibt das dem Buch zu, nicht dem Satz.

    Für Selfpublishing-Titel ist das besonders heikel, weil sie ohnehin gegen ein Vorurteil ankommen. Ein professionell gesetztes Buch entkräftet dieses Vorurteil auf den ersten Blick.

    Kostenlose Programme für den Buchsatz

    Affinity

    Affinity ist das wichtigste Programm auf dieser Liste – und seit Oktober 2025 kostenlos. Canva, dem die Software inzwischen gehört, hat die drei früheren Einzelprogramme Publisher, Photo und Designer zu einer einzigen Anwendung zusammengeführt und stellt sie unter dem Versprechen „free forever“ gratis zur Verfügung. Sie brauchen nur ein Canva-Konto, das ebenfalls nichts kostet.

    Das ist eine größere Nachricht, als es zunächst klingt. Affinity ist keine abgespeckte Einsteigerlösung, sondern professionelle Layoutsoftware, mit der sich Bücher auf dem Niveau von InDesign setzen lassen: Musterseiten, Stilvorlagen, echte Typografie-Kontrolle, Farbmanagement für den Druck, saubere PDF-Ausgabe. Ich arbeite selbst damit.

    Die alten Versionen sind Geschichte. Publisher, Photo und Designer als Einzelprogramme gibt es nicht mehr zu kaufen. Wer noch eine alte Lizenz besitzt, kann seine Dateien in der neuen App öffnen, speichern lässt sich aber nur im neuen Format. Für die Archivierung und den Austausch mit Dienstleistern sollten Sie ohnehin PDF oder IDML verwenden, nicht das programmeigene Format.

    Kostenlos heißt nicht unbegrenzt. Die Layout-, Vektor- und Bildwerkzeuge sind frei nutzbar. Die KI-Funktionen von Canva sind es nicht, dafür braucht es ein kostenpflichtiges Abo. Für den Buchsatz brauchen Sie diese Funktionen nicht.

    Kostenlos heißt auch nicht einfach. Das ist der Punkt, an dem viele scheitern. Affinity nimmt Ihnen die Software-Kosten ab, nicht die Einarbeitung. Satzspiegel, Registerhaltigkeit, Grauwert, Umbruchkontrolle – das sind handwerkliche Fragen, die kein Programm für Sie beantwortet. Ein gutes Werkzeug in ungeübter Hand ergibt kein gutes Buch, sondern ein Buch mit besseren Voraussetzungen.

    Scribus

    Scribus ist ein Open-Source-Layoutprogramm und war lange die einzige ernstzunehmende kostenlose Option. Es bietet, was ein Satzprogramm braucht: präzise Platzierung von Text und Bild, Musterseiten, Stilvorlagen, Inhaltsverzeichnisse, Farbmanagement für den Druck.

    Der Nachteil liegt in der Bedienung. Die Oberfläche wirkt altmodisch, manche Arbeitsschritte sind umständlicher als nötig, und die Einarbeitung dauert. Seit Affinity kostenlos ist, gibt es für die meisten Buchprojekte keinen zwingenden Grund mehr, sich das anzutun. Wer aus Überzeugung auf Open Source setzt oder Affinity aus anderen Gründen nicht nutzen will, ist mit Scribus aber gut bedient.

    SPBuchsatz

    SPBuchsatz verfolgt einen anderen Ansatz: Es ist kein Layoutprogramm, in dem Sie selbst gestalten, sondern ein System, das aus Ihrem Text ein fertig gesetztes Buch erzeugt. Sie liefern das Manuskript, wählen Voreinstellungen, bekommen ein Ergebnis.

    Für Belletristik ohne Abbildungen funktioniert das erstaunlich gut, weil typografische Grundregeln bereits eingebaut sind. Sie geben dafür die gestalterische Kontrolle ab. Für einen Roman, der einfach ordentlich aussehen soll, ist das ein fairer Tausch. Für alles, was eine eigene Anmutung braucht, nicht.

    Buuk

    Buuk ist eine Komplettlösung, die den Weg vom Schreiben über den Satz bis zur Vermarktung abdecken will. Der Buchsatz ist dabei ein Baustein unter mehreren, entsprechend begrenzt sind die Möglichkeiten. Die kostenlose Version umfasst ein Buchprojekt, sodass Sie es ohne Risiko ausprobieren können.

    Wer ohnehin eine Schreibumgebung sucht und den Satz nebenbei erledigt haben möchte, findet hier einen pragmatischen Weg. Wer den Satz ernst nimmt, arbeitet besser mit einem eigenen Layoutprogramm.

    Pages

    Auf dem Mac und dem iPad liegt Pages bereits vorinstalliert. Apple hat die Buchfunktionen in den vergangenen Jahren ausgebaut; das frühere iBooks Author wurde 2020 eingestellt, Pages ist der offizielle Nachfolger und kann bestehende iBooks-Author-Dateien importieren.

    Für E-Books ist Pages eine brauchbare Wahl, besonders wenn Sie ohnehin im Apple-Umfeld arbeiten. Für den Druck ist es keine. Pages fehlt die Kontrolle, die ein Satzprogramm ausmacht – und es ist im Kern eine Textverarbeitung, mit denselben Einschränkungen wie Word.

    Was Word nicht kann

    Bleibt der Hinweis auf das Programm, in dem die meisten Manuskripte entstehen. Word ist ein Schreibprogramm, kein Satzprogramm. Es hält keinen verlässlichen Satzspiegel, bietet keine brauchbare Kontrolle über Umbrüche und Trennungen, und der Bildumfluss ist eine Notlösung. Für das Manuskript ist Word richtig. Für das Buch nicht.

    Wo kostenlose Programme an ihre Grenzen stoßen

    Früher lautete das Argument: Professionelle Layoutsoftware kostet Geld, deshalb greifen Selfpublisher zu Behelfslösungen. Dieses Argument ist hinfällig. Mit Affinity steht Ihnen dasselbe Werkzeug kostenlos zur Verfügung, mit dem ich täglich arbeite.

    Damit verschiebt sich die eigentliche Frage. Sie lautet nicht mehr, ob Sie sich die Software leisten können, sondern ob Sie die Zeit aufbringen wollen, damit umgehen zu lernen – und ob Ihr Projekt es verlangt.

    Für einen Roman mit reinem Fließtext ist der Einstieg realistisch. Sie brauchen einen sauberen Satzspiegel, eine passende Schrift, konsistente Absatzformate und Geduld bei den Umbrüchen. Das ist zu schaffen.

    Schwieriger wird es, sobald Abbildungen ins Spiel kommen: Bildumfluss, Farbraumkonvertierung, Auflösung, Platzierung über den Bund hinweg. Und noch schwieriger bei allem, was eine gestalterische Idee braucht statt nur einer korrekten Umsetzung – Sachbücher mit mehreren Textebenen, Kinderbücher, Bildbände, Festschriften.

    Der ehrliche Rat lautet deshalb: Probieren Sie es aus. Sie riskieren nichts außer Ihrer Zeit. Wenn Sie merken, dass das Ergebnis nicht so aussieht, wie Sie es sich vorgestellt haben, wissen Sie danach genauer, was Sie brauchen – und können mich gezielt fragen. Das Vorgespräch ist kostenlos.