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Layout Kinderbücher

    Ein Kinderbuch zu setzen ist die aufwendigste Form des Buchsatzes. Bei einem Roman läuft der Text durch, Seite für Seite, nach einem einmal festgelegten Satzspiegel. Bei einem Kinderbuch wird jede Doppelseite einzeln gestaltet: Text und Bild müssen zusammen funktionieren, und zwar auf jeder Seite neu.

    Ich setze Kinderbücher – und ich schreibe selbst welche. Diese Doppelrolle prägt meine Sicht auf das Layout: Ich weiß aus der Arbeit am Text, wie Kinder lesen, und aus der Arbeit am Satz, was daraus für die Gestaltung folgt. Auf dieser Seite habe ich zusammengetragen, worauf es dabei ankommt.

    Adelie Herrn Meyers Buchmacherei

    Wie Kinder lesen – und was das für das Layout bedeutet

    Kinder lesen nicht linear. Sie springen zwischen Bild und Text hin und her, kehren zu einer Illustration zurück, überspringen einen Absatz und finden über das Bild wieder in die Geschichte. Ein Layout, das eine strenge Leserichtung erzwingt, arbeitet gegen dieses Verhalten.

    Kinder wollen außerdem unterhalten werden. Wenn ein Kinderbuch etwas vermitteln soll, muss das beiläufig geschehen – spielerisch, im Fluss der Handlung, nie mit erhobenem Zeigefinger. Kinder lernen von Figuren, die handeln, und machen es dann nach. Das ist zunächst eine Frage des Textes. Aber es hat Folgen für den Satz: Die Stelle, an der eine Figur etwas tut, braucht Raum. Sie darf nicht am Seitenende zerrieben werden.

    Wenn Kinder selbst zu lesen beginnen

    Irgendwann will das Kind selbst lesen. Ab diesem Moment entscheidet der Satz darüber, ob das Lesen Freude macht oder Mühe.

    Der wichtigste Punkt sind die Trennungen. Ein geübter Leser überliest eine Worttrennung, ohne sie zu bemerken. Ein Kind, das gerade lesen lernt, stolpert über jede einzelne. Deshalb gilt für Kinderbücher: so wenige Trennungen wie möglich. Und wenn getrennt werden muss, dann an einer Stelle, die das Kind versteht – entlang der Sprechsilben, nicht dort, wo der Algorithmus es für zulässig hält.

    Automatische Trennung reicht dafür nicht aus. Jede Trennung im Kinderbuch gehört durchgesehen. Das ist Handarbeit, und sie ist der Grund, warum Kinderbuchsatz Zeit kostet.

    Dazu kommt der Wechsel von Text und Bild. Ein Kind, das eine Seite Fließtext vor sich sieht, verliert die Lust, bevor es angefangen hat. Text und Illustration müssen sich in einem Rhythmus abwechseln, der zum Lesealter passt: kurze Textblöcke, dazwischen etwas zu sehen, dann wieder Text.

    Bildumfließender Text

    Text, der sich um eine Illustration legt, ist im Kinderbuch die Regel und nicht die Ausnahme. Er ist zugleich die anspruchsvollste Satzaufgabe.

    Die Konturführung muss der Form des Bildes folgen, ohne dass ungleichmäßige Zeilenlängen entstehen. Der Abstand zwischen Bildkante und Text muss überall gleich wirken – was etwas anderes ist, als überall gleich groß zu sein. Und je schmaler die Spalte neben dem Bild wird, desto mehr Trennungen erzwingt sie. Genau die, die im Kinderbuch nicht vorkommen sollen.

    Deshalb entsteht ein Kinderbuchlayout nicht Seite für Seite nacheinander, sondern in Abstimmung mit den Illustrationen. Wer Text und Bild getrennt voneinander fertigstellt und erst am Ende zusammenfügt, hat den schwierigsten Teil vor sich.

    Schriften für Kinderbücher

    Ich setze Kinderbücher in Minion Pro oder Athelas – eine Serifenschrift und eine serifenlose. Der Grund für beide ist derselbe: Sie sind über längere Strecken gut lesbar, in der Zeile ruhig und auch in größeren Graden angenehm.

    Wovon ich abrate, sind Systemschriften. Arial, Times New Roman und vor allem Comic Sans tauchen in Empfehlungslisten für Kinderbücher regelmäßig auf. Sie sind nicht für den Buchdruck gemacht, verfügen über zu wenige Schnitte für einen differenzierten Satz und lassen ein Buch nach Bürodokument aussehen.

    Wichtiger als die Wahl der Schrift ist ohnehin, was man mit ihr macht. Schriftgröße und Zeilenabstand richten sich nach dem Lesealter und müssen zusammen eingestellt werden – eine große Schrift mit zu engem Zeilenabstand liest sich schlechter als eine kleinere mit Luft. In meinem Kinderbuch „Adelie“ steht der Text in 13 Punkt bei 16,3 Punkt Zeilenabstand. Für ein Buch mit anderer Zielgruppe wären es andere Werte.

    Farbe und Illustration

    Farbige Illustrationen sehen auf dem Bildschirm fast immer besser aus als im gedruckten Buch. Das liegt an zwei Dingen: am Farbraum und an der Rasterung.

    Bildschirme arbeiten mit RGB, der Druck mit CMYK. Leuchtende Farben – kräftiges Orange, sattes Blau, alles Neonartige – lassen sich im Vierfarbdruck nicht erreichen. Sie werden beim Umrechnen stumpfer. Wer das erst beim Blick in das fertige Buch bemerkt, ist zu spät dran.

    Hinzu kommt das Raster. Der Druck baut Farbflächen aus feinen Punkten auf. Große, ruhige Flächen wirken dadurch anders als am Monitor, und feine Verläufe können sichtbar abstufen. Welche Auflösung eine Illustration braucht und wie sie für den Druck aufbereitet wird, entscheidet mit darüber, ob die Bilder im fertigen Buch die Wirkung haben, die die Illustratorin beabsichtigt hat.

    Drei Fehler, die mir immer wieder begegnen

    Das Kinderbuch wird in Word gesetzt. Word ist ein Schreibprogramm, kein Satzprogramm. Es kann keinen sauberen Satzspiegel halten, keinen kontrollierten Bildumfluss, keine verlässliche Trennung. Für das Manuskript ist Word richtig. Für das Buch nicht.

    Die Bilddateien passen nicht. Zu niedrige Auflösung, falscher Farbraum, ungeeignetes Dateiformat. Eine Illustration, die für Instagram taugt, taugt nicht für den Druck. Das lässt sich nachträglich nur begrenzt reparieren – meist muss die Datei neu erstellt werden.

    Zu viel Text auf einer Seite. Der häufigste Fehler überhaupt. Was im Manuskript nach einer angemessenen Menge aussieht, ist auf einer gesetzten Kinderbuchseite oft doppelt so viel wie sinnvoll. Weißraum ist im Kinderbuch keine Verschwendung, sondern Funktion.

    Selbst gestalten oder gestalten lassen?

    Vieles von dem, was hier steht, können Sie selbst umsetzen, wenn Sie sich einarbeiten wollen und Zeit haben. Bei textlastigen Büchern für ältere Kinder ist das realistisch.

    Sobald Illustrationen ins Spiel kommen, wird es schwieriger. Bildumfluss, Druckvorbereitung der Bilder und durchgesehene Trennungen sind Handarbeit, die Erfahrung voraussetzt – und Fehler zeigen sich erst im gedruckten Buch, wenn eine Korrektur teuer wird.

    Wenn Sie ein Kinderbuchprojekt haben, schreiben Sie mir. Beschreiben Sie kurz, worum es geht: Zielgruppe, Umfang, ob Illustrationen vorliegen und in welcher Form. Sie bekommen eine Einschätzung, ob und wie ich Ihnen helfen kann. Das Vorgespräch ist kostenlos.