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Affinity Publisher vs. Adobe InDesign

    Kostenlos, aber …?

    Wer ein Buch selbst setzen möchte, landet früher oder später bei derselben Frage: Adobe InDesign oder Affinity? Die gute Nachricht vorweg: Noch nie war der Einstieg in professionelle Satzsoftware so günstig wie heute. Seit Herbst 2025 ist Affinity komplett kostenlos – ein Programm, das früher Geld gekostet hat und sich beim Buchsatz vor InDesign nicht verstecken muss.

    Klingt nach der perfekten Lösung? In vielen Fällen ist sie das auch. In diesem Vergleich erfahren Sie, was beide Programme können, was sie kosten, wie es um Ihre Daten steht – und warum die Wahl der Software beim Buchsatz nur die halbe Miete ist.

    affinity in aktion

    Die Kurzfassung

    • Adobe InDesign ist seit Jahrzehnten der Standard in Verlagen und Agenturen – leistungsstark, weit verbreitet, aber nur im Abonnement erhältlich.
    • Affinity ist seit Oktober 2025 kostenlos und vereint Layout, Bildbearbeitung und Vektorgrafik in einer Anwendung. Ihre Projekte bleiben auf Ihrem Rechner.
    • Für den Buchsatz eignen sich beide Programme. Entscheidend für das Ergebnis ist weniger die Software als das Wissen, wie man sie für ein Buch einsetzt.

    Adobe InDesign: der Branchenstandard

    InDesign ist seit 1999 auf dem Markt und hat sich zum Standardwerkzeug der Verlagswelt entwickelt. Wer mit Verlagen, Agenturen oder Druckereien zusammenarbeitet, trifft fast immer auf InDesign-Dateien. Das Programm deckt den gesamten Weg vom Layout über die Typografie bis zur Druckvorbereitung ab und arbeitet eng mit Photoshop und Illustrator zusammen.

    Seine Stärken zeigen sich vor allem bei umfangreichen Projekten: ausgefeilte Absatz- und Zeichenformate, leistungsfähige Automatisierung, eine riesige Auswahl an Anleitungen und eine Fachgemeinschaft, die zu fast jedem Problem schon eine Lösung gefunden hat.

    Der Haken ist der Preis: InDesign gibt es nur im Abonnement der Adobe Creative Cloud. Wer ein einziges Buch setzen will, zahlt also laufend für ein Werkzeug, das er danach vielleicht nie wieder braucht.

    Affinity: vom Geheimtipp zur kostenlosen Alternative

    Affinity Publisher wurde von der britischen Softwarefirma Serif entwickelt und kam 2019 auf den Markt. Schnell galt das Programm als ernsthafte Alternative zu InDesign – ohne Abo, mit moderner Oberfläche und allen Werkzeugen, die man für den Buchsatz braucht.

    2024 übernahm Canva die Firma Serif. Im Oktober 2025 folgte der große Schritt: Die bisherigen Einzelprogramme Affinity Publisher, Photo und Designer wurden zu einer einzigen Anwendung zusammengeführt, die seitdem kostenlos ist. Das frühere Publisher heißt darin nun „Layout“. Für die Nutzung brauchen Sie ein kostenloses Canva-Konto. Kostenpflichtig sind nur zusätzliche KI-Funktionen, die ein Canva-Abonnement voraussetzen.

    Herr Meyer setzt seit Jahren Bücher mit Affinity. Warum er sich als Profi für dieses Programm entschieden hat, lesen Sie im Beitrag Affinity Publisher: Warum ich als Profi darauf setze.

    Datenschutz: Wo liegen Ihre Manuskripte?

    Ein unveröffentlichtes Manuskript ist oft das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Kein Wunder, dass viele Autorinnen und Autoren genau hinschauen, was mit ihren Dateien passiert.

    Im Sommer 2024 sorgten geänderte Nutzungsbedingungen von Adobe für große Unruhe: Viele Kreative befürchteten, ihre Werke könnten zum Training von KI verwendet werden. Adobe stellte daraufhin klar, dass Kundeninhalte nicht zum Training seiner generativen KI genutzt werden, und überarbeitete die Formulierungen. Inhalte, die in der Adobe-Cloud gespeichert werden, kann das Unternehmen aber weiterhin automatisiert analysieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, speichert sein Manuskript lokal und prüft die Datenschutzeinstellungen seines Adobe-Kontos.

    Affinity speichert Ihre Projekte grundsätzlich auf Ihrem eigenen Rechner. Canva betont, dass Affinity-Inhalte nicht zum Training von KI verwendet werden. Nur wer die optionalen KI-Funktionen nutzt, schickt Daten an Canva-Server.

    Für Herrn Meyer war dieser Punkt einer der Gründe, sich für Affinity zu entscheiden: Die Manuskripte seiner Kundinnen und Kunden verlassen seinen Rechner nicht.

    Funktionsvergleich für den Buchsatz

    Adobe InDesign Affinity
    Kosten nur im Abonnement kostenlos (KI-Funktionen kostenpflichtig)
    Voraussetzung Adobe-Konto Canva-Konto
    Speicherort lokal oder Adobe-Cloud lokal
    Verbreitung Standard in Verlagen und Agenturen wachsend, vor allem bei Selbstständigen und Selfpublishern
    Austausch eigenes Format, IDML für den Austausch eigenes Format, kann IDML importieren
    Buchsatz-Werkzeuge Musterseiten, Absatz- und Zeichenformate, Grundlinienraster, Inhaltsverzeichnis, Druck-PDF Musterseiten, Absatz- und Zeichenformate, Grundlinienraster, Inhaltsverzeichnis, Druck-PDF
    Einarbeitung nötig nötig

    Die letzte Zeile ist kein Versehen. Sie ist der eigentliche Kern dieses Vergleichs.

    Kostenlos heißt nicht mühelos

    Dass Affinity nichts mehr kostet, ist eine großartige Nachricht für alle, die ihr Buch selbst gestalten möchten. Nur: Eine Software ist ein Werkzeug, kein fertiges Buch. Ein kostenloser Hobel macht noch keinen Tischler.

    Wer das Programm zum ersten Mal öffnet, sieht eine leere Seite und eine Fülle von Werkzeugen. Um daraus ein Buch zu machen, das sich wie ein Verlagsbuch anfühlt, sind eine ganze Reihe von Entscheidungen und Einstellungen nötig:

    • Das Format und der Satzspiegel: Wie groß wird das Buch, wie breit werden die Ränder, wie viel Platz braucht der Bundsteg, damit nichts im Falz verschwindet? Mehr dazu im Beitrag Satzspiegel berechnen.
    • Das Grundlinienraster: Damit die Zeilen auf Vorder- und Rückseite exakt übereinanderliegen und das Papier nicht unruhig wirkt. Wie das funktioniert, erklärt der Beitrag Grundlinienraster im Buchsatz.
    • Schrift und Zeilenabstand: Welche Schrift passt zu Ihrem Genre, welche Größe und welcher Durchschuss machen den Text angenehm lesbar? Eine Orientierung gibt der Beitrag Übliche Schriften im Buchsatz.
    • Absatz- und Zeichenformate: Fließtext, Kapitelanfänge, Zwischenüberschriften, Zitate, Kursivierungen – alles braucht ein eigenes, sauber angelegtes Format, sonst wird jede spätere Änderung zur Handarbeit.
    • Blocksatz, Silbentrennung und Umbruch: Die deutschen Trennregeln wollen richtig eingestellt sein, Löcher im Blocksatz vermieden und unschöne Umbrüche von Hand korrigiert werden. Lesen Sie dazu Flattersatz oder Blocksatz im Buch? und Hurenkinder und Schusterjungen im Buchsatz.
    • Bilder und Farben: Für den Druck müssen Bilder in ausreichender Auflösung und im richtigen Farbraum vorliegen. Den Unterschied erklärt der Beitrag Farben: RGB und CMYK.
    • Die Druckdatei: Beschnittzugabe, eingebettete Schriften, das richtige PDF-Format und am Ende noch die Rückenbreite für das Cover, die sich erst aus der fertigen Seitenzahl ergibt. Worauf es dabei ankommt, lesen Sie unter Druckdatei erstellen für BoD.

    Jeder dieser Punkte lässt sich lernen. Zusammen ergeben sie allerdings ein Handwerk, in das sich Setzerinnen und Setzer über Jahre einarbeiten. Das gilt für InDesign genauso wie für Affinity – das Programm nimmt Ihnen diese Entscheidungen nicht ab, es setzt sie nur um.

    Was kein Programm für Sie entscheidet

    Die Software bietet Ihnen Möglichkeiten, aber keine Antworten. Sie sagt Ihnen nicht, ob Ihr Roman mit einer klassischen Antiqua besser wirkt als mit einer modernen Schrift, wie viel Weißraum eine Seite braucht, damit sie atmen kann, oder ob ein Kapitelanfang mit Initiale zu Ihrem Buch passt. Wie sehr gerade der Weißraum über die Lesbarkeit entscheidet, zeigt der Beitrag Die Bedeutung von Weißraum.

    Genau diese Entscheidungen machen den Unterschied zwischen einem Buch, das Leserinnen und Leser gern in die Hand nehmen, und einem, dem man ansieht, dass es „irgendwie selbst gemacht“ ist. Deshalb lautet die eigentliche Frage nicht: InDesign oder Affinity? Sondern: Wie viel Zeit möchten Sie in das Setzen investieren – und wie viel lieber in Ihr nächstes Buch?

    Drei Wege zu Ihrem gesetzten Buch

    1. Selbst lernen. Wenn Sie Freude an Gestaltung haben und Zeit mitbringen, ist das kostenlose Affinity ein hervorragender Einstieg. Einen Überblick über weitere Möglichkeiten gibt der Beitrag Kostenlose Buchsatz-Programme. Und warum Word keine gute Alternative ist, lesen Sie unter Buchsatz in Word.

    2. Selbst setzen, mit Begleitung. Sie möchten Ihr Buch selbst gestalten, aber nicht jeden Fehler selbst machen? Dann unterstützt Herr Meyer Sie mit Beratung, prüft Ihr fertiges Dokument vor dem Druck oder geht mit Ihnen den Probedruck durch. Mehr dazu unter Der richtige Buchsatz.

    3. Setzen lassen. Sie möchten schreiben, nicht setzen? Dann übernimmt Herr Meyer den Buchsatz für Sie – mit Affinity, auf seinem eigenen Rechner, und mit dem Ergebnis einer druckfertigen Datei für Verlag, Druckerei oder Selfpublishing-Plattform. Welcher Weg zu Ihrem Budget passt, sehen Sie unter Buchsatz & Layout.

    Fazit

    InDesign bleibt der Standard der Branche, Affinity ist die kostenlose und datenschutzfreundliche Alternative – für den Buchsatz sind beide bestens geeignet. Dass professionelle Satzsoftware heute nichts mehr kosten muss, ist ein echter Gewinn für alle Autorinnen und Autoren. Ein gut gesetztes Buch entsteht aber nicht durch die Software, sondern durch das Wissen, wie man sie einsetzt.

    Sie sind unsicher, welcher Weg für Ihr Buch der richtige ist? Schildern Sie Herrn Meyer kurz Ihr Projekt – das Vorgespräch ist kostenlos und unverbindlich.

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